WISENTE AB HERBST IM KREISGEBIET

AUSWILDERUNGSGEHEGE AN GEHEIMEM STANDORT

Die Wisente kommen in diesem Jahr. Nach einem Marathonlauf durch die Ministerial-Bürokratie sei Siegen-Wittgenstein nun auf den letzten Metern der Zielgeraden, sagte Landrat Paul Breuer gestern Mittag auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin.

Langwierige und laut Breuer „schweißtreibende Verhandlungen“ und Gespräche habe das gekostet und Bad Berleburgs Bürgermeister Bernd Fuhrmann fügte an, dass er nie mit einem so langen und schweren Weg gerechnet habe. Es sei erstaunlich und gut, dass die fürstliche Familie so lange bei der Stange geblieben sei, sagte Fuhrmann und nannte das Engagement „ein Stück Verantwortung des Hauses für die Region“.

Die ersten großen Paarhufer sollen im Herbst ihre neue Heimat im Kreisgebiet finden. Die Tiere werden zunächst in einem Auswilderungsgehege gehalten, wo sie sich an die Klima- und Naturbedingungen Wittgensteins gewöhnen sollen. Dieses Auswilderungsgehege soll an einem geheimen Standort in den von der fürstlichen Rentkammer bewirtschafteten Wäldern angelegt werden. Die Tiere werden in den kommenden Monaten in Zoos, Gehegen und aus der Natur am Baltikum eingekauft. Im Gehege sollen die Tiere zunächst ihren Herdenverbund festigen, bevor sich der Zaun öffnen kann und die braunen Riesen in die Wälder entlässt.

Während das Auswilderungsgehege die natürliche Scheu der Wisente vor den Menschen erhalten oder fördern soll, wird für die naturliebenden Menschen ein Schaugehege eingerichtet, wo sie den urigen Riesen Auge in Auge gegenüberstehen und sie aus der Nähe erleben können. Als Standort steht dafür eine etwa 60 bis 80 Hektar große Fläche im Bereich Wingeshausen/Jagdhaus fest. Das Gehege soll gegen Eintritt zugänglich sein und damit einen Beitrag zur dauerhaften Finanzierung des Projektes leisten.

TIERE TRAGEN FUNKSENDER

Acht bis 15 Wisente sollen dort einziehen. Von den rund 25 in zwei bis drei Jahren frei lebenden Ur-Rindern werde der normale Waldbesucher und Wanderer wohl kaum etwas zu sehen bekommen, erläuterte der Landrat. Die Tiere werden dann Funksender tragen, die sie am Überschreiten eines virtuellen Zaunes an der Grenze zum Schmallenberger Sauerland hindern sollen.

Das fast ausgestorbene Tier wird fast nur noch in Zoos vermehrt, wobei alle Wisente von wenigen Vorfahren abstammen. Die Inzucht führt zu Krankheiten, die Zoohaltung bringt außerdem keine natürliche Entwicklung. Das Auswilderungsprojekt in Wittgenstein bedeutet deshalb auch einen Versuch, der Natur eine Chance zu einer natürlichen Regeneration des Tierbestandes zu bieten. Sowohl Bürgermeister Fuhrmann als auch Breuer und Regierungspräsident Helmut Diegel bezeichneten das Projekt gestern als europaweit einmalig.

Ein Trägerverein soll das Projekt „Rückkehr der Wisente“ dauerhaft leiten. Für die ersten Jahre gibt es dazu wissenschaftliche Begleitung mehrerer Universitäten und namhafter Naturschutzverbände. Als Kostenrahmen stehen derzeit Summen von rund 1,7 Millionen Euro im Raum. Wesentliche Förderung erhalten Wisente vom Bund und vom Land, aber auch Sponsoren stehen zur Unterstützung bereit.

„Nachdem es gelungen ist, einen entsprechenden öffentlich-rechtlichen Vertrag mit dem Land abzuschließen und Ministerpräsident Dr. Jürgen Rüttgers seine Schirmherrschaft für das Naturprojekt erklärt hat, haben wir mit Bundesumweltminister Sigmar Gabriel einen weiteren überzeugten Anhänger der Wisentansiedlung gefunden“, sagte Breuer bei der gestrigen Pressekonferenz des Touristikverbandes Siegerland-Wittgenstein am neuen Stand von Tourismus NRW auf dem Berliner Messegelände. Derzeit liege der Antrag auf Förderung beim Bundesamt für Naturschutz vor.

Von Dirk Herrmann

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